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laus beginnt seine Geschichte mit den Facts: 62 Jahre, glücklich verheiratet, 2 große Kinder, 1 Enkelkind, wohne mit meiner Frau ländlich draußen nahe am Wald. Wir haben einen großen Garten und lieben diesen sehr. Meine Frau ist auch Floristmeisterin. Somit haben wir viele Gemeinsamkeiten und arbeiten oft zusammen.

Wann wusstest du zum ersten Mal, dass du mit Blumen arbeiten möchtest?

Schon sehr früh! Meine Eltern führten 2 Blumengeschäfte und ich bin mitten in den Geschäften aufgewachsen. Ich mochte dieses Lebensgefühl, den Geruch der Blumen, das viele Naturmaterial und die kreative Stimmung. Es war ein sehr familiäres Miteinander und Privates hat sich mit dem Geschäftlichen verbunden. Für mich war das - und ist es auch heute noch - kein Problem.

Warum Blumen? Was macht sie besonders?

Blumen bedeuten lebendige Natur und haben durch die Evolution eine Vielfalt entwickelt, die Respekt und Ehrfurcht in mir immer wieder hervorruft. Was haben wir für ein Glück, dass wir diese florale Welt erleben und sehen dürfen. Wir Gärtner und Floristen sind eigentlich privilegiert – wir dürfen mit einen der besten Zutaten dieser Welt arbeiten - das sollte man sich bewusst machen.

Sommerblumen sind die kleinen Glücksmomente im Alltag und vermitteln sofort positive Energie.

Du kommst aus einer Familie von Floristen. Wie hat dich das in deinen Anfangsjahren als Designer geprägt?

Ich durfte immer alles ausprobieren und man hat mir kaum Vorschriften gemacht und so habe ich mich völlig unvoreingenommen – auch im Floral-Design – in die große weite Welt an Möglichkeiten vorgetastet. Relativ schnell merkte ich, dass ich neue Herausforderungen brauchte und fing an, mich bei Berufswettbewerben anzumelden. Das gab mir richtig Auftrieb und ich konnte mich immer besser selbst einschätzen aber auch neu justieren. 

Du hast mehrere Berufe: Blumendesigner, Trendscout, Stylist, Lehrer, Autor von Büchern und Magazinen, kreative Leiter des Verlags BLOOM's Medien, etc. Welchen magst du am meisten?

Ein interessante Frage! Ehrlich gesagt ich glaube es ist die Mischung von allem. Ich liebe die Abwechslung und Vielfalt. Ich arbeite manchmal sehr gerne nur für mich allein, z. B. wenn ich Konzept verfasse. Das muss ich unbedingt mit mir selbst erledigen. Wenn ich weiß was ich will, dann gibt es kein Halten mehr und ich suche die Kommunikation. Ganz besonders gerne erstelle ich PowerPoints und Mood-Charts. Da sieht man sofort, ob es passt. Ach ja – und dann habe ich immer mal wieder die Glücksmomente, wenn ich selbst handwerklich kreativ sein kann. Das dürfte sehr gerne mehr sein. Aber als Vordenker, hat man oft andere Aufgaben zu erfüllen. 

Was ist das beste Kompliment, das dir jemand machen kann?

Wow – was für eine schwierige Frage. Aber ich hatte vor einiger Zeit einen Gänsehaut-Moment, der mich tief emotional berührte.  Da hat eine Mitarbeiterin, die leider das Unternehmen verließ, mir ein paar Zeilen geschrieben. Sie bedankte sich für die gemeinsame Zeit, Fairness, Zugewandtheit und Teamfähigkeit, die nicht alle Chefs beherrschen würden. Als ich das las, wurde mir schon ein wenig warm ums Herz. 

Können Blumenzüchter dich noch überraschen?

Selbstverständlich. Neuheiten, faszinierende Züchtungen, innovative Anbau- und Vermarktungs-Methoden – all das interessiert mich sehr. Ich glaube ganz fest an die Kraft der intelligenten Innovation und der evolutionären Weiterentwicklung. Damit meine ich nicht unbedingt “Schneller-Höher-Besser”. Sondern ich sehe den Fokus auf die Verantwortung in Bezug auf Qualität, Schonung der Ressourcen von Mensch und Natur, Nachhaltigkeit, faire globale Vielfalt und ausgewogene Wirtschaftlichkeit. 

Du hast dich auf Trends spezialisiert. Was war dein Lieblingstrend der letzten Jahre?

Trends faszinieren mich, weil ich Veränderung mag. Sie sind stetig in Bewegung und es macht Spaß, sie überall zu erforschen und zu analysieren. Mein derzeitiger Lieblingstrend kann man unter dem Begriff PURE STYLE zusammenfassen. Weniger ist mehr und die zügellose Überfluss-Gesellschaft ist kein dauerhaftes Zukunftsmodel mehr. Die Menschen wollen bewusster leben und nur die Dinge besitzen, die sie wirklich sinnvoll brauchen. Es baut sich ein Wertewandel auf, der – wenn es gut geht – für bessere ehrliche Qualität und Vernunft im Konsum steht. 

Weniger ist mehr – und das bedeutet nicht Verzicht, sondern bewusstes Konsumieren unter Wahrung von den natürlichen Ressourcen. Ich hoffe, dass Tugenden wie Understatement uns Menschen mehr und mehr auszeichnen werden. Die Entwicklung dahin wird nicht linear gerade verlaufen, sondern wird bewegt sein, weil es ein Prozess des Wandels ist, der nicht sofort alle mitnimmt. Aber das Schöne daran ist, dass wir - die floral grüne Branche – ganz viel Zukunftsaussichten damit gewinnen. 

pure style

Auf welchen Trend für 2021 freust du dich am meisten?

Für 2021 ist es der Trend “Sunny Days”. Der Trendname ist schon vielversprechend und erhellend. Genau so was wünscht man sich nach dem dunklen Winter und der schwierigen Pandemie-Zeit. Lass das Licht in dein Leben und verschaffe dir wieder Raum. Das ist die Botschaft dieses sonnendurchfluteten Trends.
Wir werden Covid 19 besiegen, wir waren in den letzten Monaten alle oft lange daheim und haben uns zurückgezogen. “Sunny Days” ist der lebensbejahende Befreiungsschlag im Design und auch im Feeling. Schaut euch mal die BLOOM’s Trends an. Da ist alles ganz genau beschrieben. Dieser Optimismus wird euch gefallen.

Wie wird man Experte im Aufspüren von Trends? Gibt es Tipps für Floristen, die den gleichen Ehrgeiz haben? 

Trends kann man überall finden, denn sie zeigen sich tagtäglich in unserem Lebensumfeld. Besonders sichtbar werden sie in Magazinen, auf Messen, in angesagten Städten und ganz stark auch im Worldwide Web. Hier komprimieren sie sich und werden oft durch Übertreibung verdeutlicht. Die Dimension Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Trends leben vom Wandel und nur wer permanent sich damit beschäftigt wird sie tiefer durchdringen und verstehen und dann auch viel besser für sich nutzen können als jemand, der nur temporär dorthin blickt. Da Floristen oft sehr kreativ sind, haben sie naturgegeben schon einen stark ausgeprägten Sensor für Lifestyle und somit auch für Trends. Das ist eine gute Basis, auf der man aufbauen sollte. Kommt noch eine positiv besetzte Neugierde hinzu, hat man das Zeug zum Trendscout. Was will man mehr und gerade Floristen haben viel Potential dafür. 

Du bist auch ein Lehrer. Auf welche Eigenschaft achtest du bei Schülern? Woran erkennst du, ob jemand talentiert ist? 

Oft sind es eher die leisen Menschen, die im ersten Moment gar nicht so auffallen. Ziemlich schnell erkennt man aber Talente, wenn man in einem Seminar die praktischen Arbeiten der Teilnehmer sieht. Spätestens nachdem 3 Werkstücke entstanden sind, kristallisieren sich diese Talente heraus. Mir macht es immer wieder Spaß, solche Erlebnisse zu haben, und die Entwicklung von Natur-Talenten zu beobachten 

Was ist dein Nummer 1 Tipp für Floristen, die sich von der Masse abheben wollen?

Spontan gesagt, müssen sich folgende Eigenschaften gut vernetzten: 

  • Kreativität & Talent
  • Leidenschaft & Fleiß
  • Energie & Ausdauer 
  • Bereitschaft zum stetigen Lernen & gesunde Neugierde
  • Positives Denken & Gelassenheit
  • Demut & gesunde Selbstreflexion 

Aufstehen, um sichtbar zu werden, ist erst mal gar nicht so schwer. Man muss einfach was ganz Besonderes präsentieren oder leisten.  Aber wie fällt man dauerhaft auf und wie wird das vom Umfeld möglichst positiv wahrgenommen? 
Das gelingt nur, wenn man demütig bleibt und sich selbst nicht zu wichtig nimmt und sich immer wieder im Zeitgeist und Lifestyle neu verortet und im Zusammenspiel aller Kräfte justiert. 
Dabei hilft es, wenn man sich selbst genau kennt und einen Sensor hat, wie man von dem Umfeld wahrgenommen wird. Erfrischend ist es, wenn man in der Lage ist, sich immer wieder - unter Wahrung einer Line - neu zu erfinden. Dabei sollte man Niederlagen als Chance zum besser werden verstehen. Die größten Erfolge aber als Geschenke bewerten, die sehr schnell auch wieder flüchtig sein können. Letztendlich muss man eine gute Balance entwickeln zwischen Selbstvertrauen und Selbstkritik.

Hast du eine Lieblingsblume?

Ja es ist die Lupine (Lupinus polyphyllus). Ich mag diese Art von Bauerngartenblumen mit einem ländlichen Touch. Außerdem verbinde ich mit der Lupine Kindheitserinnerungen. Ich habe im Mai Geburtstag und bekam oft diese Blumen von einer Nachbarin geschenkt. Jetzt wachsen ganz viele in meinem eigenen Garten und ich freue mich immer auf den Wonnemonat Mai. 

Aber was ist meine zweitliebste Blume? Das ist die Clematis und auch die wächst bei uns im Garten als Kletterpflanze. Auch sie hat diesen Cottage-Charakter – das verbindende Element zur Lupine. 

Was ist deine Assoziation mit "Sommerblumen"?

Fröhliches Landleben und Lebensfreude verbinde ich damit. Am liebsten mag ich sie ungestylt und sehr natürlich verarbeitet. Solchen Sommerblumen sind die kleinen Glücksmomente im Alltag und vermitteln sofort positive Energie. 

Du hast viele Talente. Gibt es etwas, wovon du noch träumst?

Oh ja, ich möchte weise werden. Angeblich wird man das, wenn man sich einen kindlichen Humor und Selbstironie erhält. Ich bewundere humorvollen Menschen. Sie sind nämlich in der Lage, komplizierte Dinge ganz einfach zu sehen und können damit sich und vor allen Dingen anderen helfen. Daran arbeitete ich noch und je älter man wird, kommt noch die Erfahrung hinzu und dann könnte es ja vielleicht mal eines Tages funktionieren. Schauen wir mal – so sagt man ganz gelassen und schon ein bisschen weise auf Deutsch. 😊

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Bildnachweis alle Fotos: Klaus Wagener / BLOOM's  
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